13/12 Automatisierung im Milchviehbetrieb – wie viel Technik braucht die Kuh?

8. Göttinger Fachtagung für Milchwirtschaft ein voller Erfolg

Auch im Jahr 2013 lud die AG Milchwirtschaft der Georg-August-Universität Göttingen zur Göttinger Fachtagung für Milchwirtschaft ein. Am 12. Dezember 2013 versammelten sich 200 Personen, zusammengesetzt aus Studierenden, Beratern, Landwirten und interessierten Bürgern, in der Aula am Waldweg zur öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung. Fünf Referenten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis bildeten das Programm der Fachtagung, die von Studierenden der Fakultät für Agrarwissenschaften organisiert wurde.

Prof. Dr. Ludwig Theuvsen führte als Moderator durch die Veranstaltung und übernahm spontan den ersten Vortrag zum Thema „Milchproduktion nach 2015“, nachdem einer der Referenten krankheitsbedingt absagen musste. Grundlage des Vortrages bildete ein Gutachten für die Europäische Union, das am 24. September 2013 in Brüssel vorgestellt worden ist. Mit großem Interesse verfolgte das Publikum die neusten Einschätzungen der Wissenschaft für die Zukunft der europäischen Milchproduktion und die zunehmende Preisbildung auf dem Weltmarkt sowie zunehmende Milchpreisschwankungen.

Der darauf folgende Vortrag zum Thema „Arbeitsorganisation im Milchviehbetrieb mit zunehmender Automatisierung“ von Dieter Hanselmann, der als Berater und Landwirt viele wichtige Erfahrungen in der Milchwirtschaft sammeln konnte, handelte von zunehmenden Belastungen auf wachsenden Betrieben für den „Multimanager“ Landwirt. So würde auf vielen wachsenden Betrieben vergessen, wie viel Zeit zunehmendes Personalmanagement bei Wachstumsschritten in Anspruch nehme, Automatisierung könne da Abhilfe schaffen. Besonders bei den Gästen aus der Praxis war bei der anschließenden Diskussion Zustimmung zu dieser wachsenden Problematik zu erkennen.

Dr. Ute Müller vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn referierte über die „Möglichkeiten und Probleme im Umgang mit Sensordaten“. Sie machte deutlich, dass diese Daten, die „jeder Herdenmanager kennen muss“, eine Hilfe für die tägliche Betriebsorganisation sein können, jedoch nicht das Auge des erfahrenen Landwirtes ersetzen, der mögliche Auffälligkeiten genau interpretieren muss.

In der anschließenden Mittagspause hatten die Besucher die Möglichkeit sich untereinander und mit den Referenten über Ihre Erfahrungen bei leckeren Milchprodukten und weiteren kleinen Stärkungen auszutauschen. Nach der Pause stellte Michael Helmers, Landwirt aus Hude im Landkreis Oldenburg, seinen Betrieb mit vollautomatisiertem Milchviehstall vor. Seine These, dass die Abkürzung AMS (eigentlich Automatisches MelkSystem) gleichzeitig „Anderes Management System“ bedeutet, sorgte im Publikum für ein zustimmendes Schmunzeln, da Praktiker und Interessierte dies bereits am eigenen Betrieb oder von Berufskollegen erfahren haben. Dementsprechend heiter war die Stimmung bei den Fragen mit dem Junglandwirt.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein über die „Kosten und den Arbeitszeitbedarf verschiedener Melksysteme“. Zahlen dazu lieferten ihm eine jüngst veröffentlichte Studie, die Kosten von Investitionen verschiedener Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein gegenüber stellt. Von den Besuchern der Fachtagung kamen viele Fragen zu den Beweggründen bestimmter Investitionen und der Zielsetzung in der Zukunft dieser Betriebe.

Die Besucher der Veranstaltung gewannen viele neue Eindrücke über Möglichkeiten, Veränderungen und Konsequenzen bei zunehmender Technisierung im Milchviehstall.

Weitere Einschätzungen zur Automatisierung in der Milchviehhaltung entnehmen Sie bitte dem Interview mit Hauke Bronsema.

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